
Buteyko-Atmung: Nasenatmung und Kontrollpause verstehen
22. Oktober 2026
Wenn wir uns mit unserer Atmung beschäftigen, ist der erste Impuls oft: erst einmal richtig tief Luft holen. Die Buteyko-Methode setzt anders an. Sie lädt dazu ein, die eigene Alltagsatmung wahrzunehmen und ein ruhigeres, weniger angestrengtes Atemmuster zu erkunden. Es geht nicht darum, die Lunge maximal zu füllen oder möglichst lange ohne Luft auszukommen.
Zwischen Sekundenwerten, Erklärungen zu Kohlendioxid und beeindruckenden Atempausen kann die Methode schnell kompliziert wirken. Für mich ist eine einfachere Frage hilfreicher: Kannst du deinem Atem Aufmerksamkeit schenken, ohne daraus die nächste Leistungsaufgabe zu machen? Hier findest du einen Einstieg in die Methode, die Kontrollpause und die Grenzen, die du vor dem Ausprobieren kennen solltest.
Was hinter der Buteyko-Atmung steckt
Buteyko ist ein Ansatz zur Atemschulung, der mit dem Arzt Konstantin Buteyko verbunden ist. Zu den typischen Elementen gehören Nasenatmung, das Loslassen unnötiger Anstrengung sowie Übungen mit reduzierter Atmung und kurzen Atempausen. Das unterscheidet die Methode von Praktiken mit schneller, kraftvoller Atmung oder maximalem Luftanhalten.
„Weniger“ bedeutet dabei nicht, dem Körper möglichst viel Luft vorzuenthalten. Es ist keine allgemeine Aufforderung, beim Sport, während einer Erkrankung oder bei Luftnot weniger zu atmen. Deine Atmung muss zu dem passen, was dein Körper gerade braucht. Wenn sich eine Veränderung schwierig anfühlt, kann eine auf Atmung spezialisierte Physiotherapie helfen, statt auf eigene Faust nach einer vermeintlich richtigen Technik zu suchen.
Deshalb lohnt es sich, Neugier auf eine Methode von großen Wirkversprechen zu trennen. Eine Gewohnheit bewusst wahrzunehmen kann interessant sein, ohne dass eine einzelne Atemtechnik damit zur Antwort auf jedes gesundheitliche Problem wird.
Warum die Nase eine wichtige Rolle spielt
Die Nase bereitet eingeatmete Luft vor: Sie wärmt und befeuchtet sie und hält Partikel zurück. Mehr zu diesen Aufgaben erklärt die Cleveland Clinic im Überblick über Nasen- und Mundatmung.
Nasenatmung und Bauchatmung sind keine Gegensätze. Das eine beschreibt den Weg der Luft, das andere eine Bewegung unter Beteiligung des Zwerchfells. Du kannst beides wahrnehmen, ohne den Bauch absichtlich herauszudrücken oder besonders große Atemzüge zu nehmen. In meinem Beitrag über Nasenatmung, Bauchatmung und Mundatmung erkläre ich den Unterschied genauer.
Wenn die Nase blockiert ist, hilft kein Erzwingen. Gelegentliche Mundatmung ist normal. Bei anhaltenden Schwierigkeiten mit der Nasenatmung ist es sinnvoller, die Ursache abzuklären, als den Mund mit aller Kraft geschlossen zu halten.
Die Kontrollpause ist eine Beobachtung, kein Gesundheitswert
In der Buteyko-Praxis bezeichnet die Kontrollpause eine kurze, angenehme Atempause nach einem normalen Ausatmen. Sie endet beim ersten klaren Atemimpuls – nicht erst dann, wenn du es nicht mehr aushältst. Diesen Unterschied beschreibt der Buteyko-Praktiker Neil Tranter in seiner Erklärung zur Kontrollpause.
Ordne den Sekundenwert als persönliche Beobachtung ein. Er ist keine Diagnose, keine Messung des Sauerstoffs im Blut und keine verlässliche Zusammenfassung deiner Gesundheit. Schon die Art, wie du die Pause ausführst, beeinflusst das Ergebnis. Eine entspannte Pause und angestrengtes Luftanhalten sind nicht miteinander vergleichbar.
Du musst hier keinen bestimmten Zielwert erreichen. Wenn du danach nach Luft schnappst oder angespannt bist, ist die Jagd nach einer Zahl wichtiger geworden als die eigentliche Wahrnehmung. Du kannst die Messung auch ganz weglassen und zunächst einfach einige angenehme Atemzüge beobachten.
Was die Forschung sagen kann – und was nicht
Die Cochrane-Übersichtsarbeit von Santino und Kolleg:innen aus dem Jahr 2020 untersuchte Atemübungen bei Erwachsenen mit Asthma. Sie fand mögliche Vorteile für die Lebensqualität, fasste jedoch verschiedene Methoden zusammen. Das belegt weder eine Wirkung dieser App gegen Asthma noch einen Nutzen der Methode für alle Menschen.
Atemübungen sind kein Grund, Inhalatoren abzusetzen oder verordnete Behandlungen selbst zu verändern. Auch die physiotherapeutische Leitlinie der British Thoracic Society grenzt ergänzende Atemstrategien vom Ersatz einer medizinischen Behandlung ab. Anhaltende Atembeschwerden gehören ärztlich abgeklärt.
Ein sanfter Einstieg in die Atemwahrnehmung
Du musst nicht mit Luftanhalten beginnen. Setz dich bequem hin und lass deinen Atem erst einmal zur Ruhe kommen. Nimm wahr, ob deine Schultern angespannt sind, ob du besonders große Atemzüge machen möchtest und ob sich Nasenatmung gerade leicht anfühlt. Lass Raum für einen normalen, unangestrengten Atem, statt dir einen anspruchsvollen Rhythmus vorzugeben.
Einen verständlichen Einblick in Atemschulung bietet die Patienteninformation der Cambridge University Hospitals. Bei individuellen Schwierigkeiten kann eine persönliche Begleitung sinnvoller sein als eine allgemeine Anleitung.
Hör auf, wenn dir schwindelig wird, du Luftnot spürst oder dich unwohl fühlst. Bei Vorerkrankungen, Schwangerschaft oder Unsicherheit kläre Atempausen vorher ärztlich ab. Übe Luftanhalten niemals im Wasser, beim Autofahren oder in Situationen, in denen ein Aufmerksamkeitsverlust gefährlich wäre. Neue oder starke Atemnot braucht medizinische Hilfe statt einer App-Übung.
Meine App Buteyko Atmung ist zum Messen der Kontrollpause und zum bewussten Wahrnehmen ruhigerer Atmung gedacht. Wenn dich das interessiert, schau sie dir an – mit Aufmerksamkeit statt Bestzeiten als Ziel. Eine Zahl darf die Praxis begleiten. Wichtiger als die Zahl bleibt, wie es dir dabei geht.